Vom Industrie-Vorort zum bunten Stadtteil

Das Maag Areal im Wandel der Zeit

Von der grauen Zürcher Industrie geprägt, soll das Maag Areal im Escher-Wyss-Quartier durch das Projekt Maaglive von Swiss Prime Site zu einem lebendigen, vielfältigen Stadtteil weiterentwickelt werden. Daher wird es Zeit, einige Blicke in die Vergangenheit und in die Zukunft eines geschichtsträchtigen Teils von Zürich zu werfen.

Transformation um die Jahrtausendwende

Escher Wyss war bis in die späten 70er Jahre ein reines Industriequartier am westlichen Stadtrand von Zürich. Erst gegen 1980 startete die Entwicklung zum Dienstleistungsstandort. Der Bau der neuen Bürokomplexe der Zürcher Kantonalbank und Kuoni neben der Hardbrücke waren der Startschuss dieser Entwicklung. Weitere Neubauten trieben dann die Entwicklung weiter: So zum Beispiel die neue Handelsschule des kaufmännischen Verbands auf dem ehemaligen Areal der Seidenfärberei am Escher-Wyss-Platz.

Die Deindustrialisierung erfasste etwas später auch das Maag Areal. 2004 übernahm Swiss Prime Site (SPS) das Areal und initiierte die Weiterentwicklung mit der Errichtung des Prime Towers und der anliegenden Gebäude Platform und Cubus im Jahr 2011.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein für das Quartier folgte 2014: Die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und Teile der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zogen in den neu gebauten Campus auf dem Toni-Areal. Das Toni-Areal, eine ehemalige Milchfabrik, wurde damit zum Bildungs- und Kulturzentrum und macht den Kreis 5 täglich zum Ziel von hunderten Studierenden.

Maag-Areal

Das Maag Areal um 1962, fotografiert aus einem Flieger der Swissair.
(Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

Zahnradfabrik Maag

Arbeiter der Max Maag Zahnradfabrik. Wo sich heute hauptsächlich Büros befinden,
wurden noch vor wenigen Dekaden Zahnräder produziert.
(Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

Vom Industrie-Vorort zum pulsierenden Stadtteil

Heute ist die Transformation weit fortgeschritten – der Kreis 5 und die Gebiete Escher Wyss und Hardbrücke haben sich zu einem beliebten, innerstädtischen Wohn-, Arbeits- und Freizeitort entwickelt.

Insbesondere das Gebiet um den Bahnhof Hardbrücke ist in den letzten Dekaden zu einem pulsierenden Stadtteil geworden. Angebote wie Frau Gerolds Garten, die Urbansurf-Anlage oder das Bahnviadukt mit Geschäften, Gastronomie und der angrenzenden Josefwiese sind in Zürich bekannt und beliebt.

Doch nicht nur für Besuchende ist das Quartier heute interessant. Auch das Wohnangebot ist in den letzten Jahren attraktiver geworden. So leben heute dreimal mehr Menschen im Quartier als noch vor zwanzig Jahren. Junge Wohnbauten wie der Zölly-Turm oder die Escher-Terrassen prägen – über das Quartier hinaus – das Stadtbild.

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Das Bahnviadukt 2003: Unter anderem genutzt als Werkstätte.
(Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

Im Viadukt

Das Bahnviadukt heute: Zuhause von Restaurants, Geschäften, Sporträumen und mehr.
(Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

Stadtansicht Z¸rich West

Stadtblick Zürich West: Toni-Areal, Renaissance Hotel und Prime Tower (v. r. n. l.)
(Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

Chance Maag Areal nutzen

Zahlreiche Projekte haben zum vielseitigen Kreis 5 beigetragen, wie wir ihn heute kennen und schätzen. Mit Maaglive will SPS anknüpfen und auch auf dem Maag Areal eine hohe Nutzungsvielfalt etablieren. Mit drei vielfältigen Gebäuden und viel öffentlichem Raum – drinnen und draussen. Und mit der Ergänzung der dominierenden Büronutzung durch Wohnen, Gastronomie, Kultur und Grünflächen. Für ein lebendiges, buntes Areal zu jeder Tageszeit und das ganze Jahr hindurch.

 

Lebendiges Quartierzentrum schaffen

«Maaglive wird den Stadtraum öffnen und transparenter machen und eine bessere Durchwegung ermöglichen. Es gibt Sichtbeziehungen, man kann sich gut orientieren und es gibt einen öffentlichen Aufenthaltsort, den man, egal, ob man in ein Gebäude hineinmuss oder nicht, benutzen kann.»
(Johanna Gerum, Projektleiterin Maaglive)

Begegnung, Abwechslung, Unterhaltung, Naherholung und konsumfreie Verweilplätze mit hoher Aufenthaltsqualität: Die Bedürfnisse der Stadtzürcher*innen sind vielfältig. Und genau so vielfältig soll das Angebot von Maaglive werden. Damit für jede und jeden etwas dabei ist. Und seine grüne Mitte – der Quartierplatz – soll Treffpunkt und öffentlicher Begegnungsraum werden.

Diese angestrebte Nutzungsvielfalt bezweckt etwas ganz Zentrales: das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Ansprüchen – auf dem Areal und in den Gebäuden. Geschäftlich und privat, jung und alt, lokal und international. Das «Live» in Maaglive steht für Leben. Und einen Ort zum Leben erwecken können nur Menschen.

Quartierplatz

Öffentlich, zentral, grün: der Quartierplatz im Herzen von Maaglive.

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Kleinkonzert im Foyer im Gebäude K – eine mögliche zukünftige Nutzung
des denkmalgeschütztes Industriegebäudes.

Gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigen

Ob Wohnen, Arbeit oder Mobilität: Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Digitalisierung hat unsere Leben auf ein ungekanntes Tempo beschleunigt. Die räumliche Trennung von Arbeiten und Wohnen ist, nicht zuletzt pandemiebedingt, weitgehend gefallen. Das gestärkte Umweltbewusstsein hat die städtische Mobilität verändert: weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu ÖV und Velo. Und durch unseren wachsenden Nachhaltigkeitsanspruch haben Grünräume stark an Bedeutung gewonnen, gerade innerhalb der Stadtgrenzen. 

«Der Gebrauchswert des Quartierplatzes wird hoch sein. Immer mehr Leute halten sich im Freiraum auf und man entdeckt den Freiraum als Aufenthaltsort. In diesem Bereich schafft der Platz ein Angebot, das gut ist und erfolgreich sein wird.»
(Lukas Schweingruber, Landschaftsarchitekt und Jurymitglied Maaglive)

Maaglive berücksichtigt diese gesellschaftlichen Entwicklungen und bietet eine flexibel nutzbare Hülle für zeitgemässes, urbanes Leben. Die Kombination aus Mikroappartements und angrenzenden Arbeitsstudios im Wohnturm entspricht dem modernen Work-Life-Verständnis. Zum Verweilen und zur Entschleunigung dienen der Dachgarten und der öffentliche, grüne Quartierplatz. Der Platz verbessert auch die Verbindungen zu den umliegenden Gebäuden und Arealen und fördert damit den sicheren Fussgänger- und Veloverkehr. Die üppige Begrünung der Freiräume sowie der Dächer des Wohnturms und des Gebäude K tragen zur Hitzeminderung in Zürich West bei. Ein wichtiger Lösungsbeitrag zu einer hochaktuellen Problematik, gerade in einem Quartier mit sehr vielen Asphaltflächen wie Escher Wyss.

 

Flexibles Raumangebot für die Kultur 

«Wenn wir als Architekten etwas bauen, müssen wir darauf achten und uns sicher sein, dass das, was wir bauen, deutlich besser und deutlich zukunftsfähiger sein wird, als das, was wir im Augenblick haben.»
(Matthias Sauerbruch, Architekt Maaglive)

Das Konzept Maaglive orientiert sich am Siedlungsrichtplan der Stadt – und an den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Kulturschaffenden. Die aktuell auf dem Areal bestehenden Maag Hallen erfreuen sich zwar grosser Beliebtheit, werden aber über das ganze Jahr hinweg betrachtet zu selten genutzt. Der Unterhalt der Räume ist zudem teuer und energieaufwändig, weil die Hallen und die Haustechnik nicht den heutigen Standards entsprechen. Das Potenzial kann und soll besser genutzt werden. Maaglive führt die beliebte Kulturnutzung weiter und gibt ihr weiterhin viel Raum – wenn auch in anderer, noch zu definierender Form. Dafür stehen flexibel nutzbare Räumlichkeiten im Gesamtumfang von rund 3’600 m2 zur Verfügung. Nicht nur für grosse Konzerte und Events, sondern auch für kleinere und mittelgrosse, lokal verankerte Anlässe. Damit wird Maaglive den aktuellen Trends gerecht.

Wachstum ja, aber mit Strategie

«Wir können nicht damit hadern, dass es uns so gut geht, dass wir wachsen und die Bevölkerung zunimmt. Dass Leute hierhin kommen und scheinbar die Stadt lieben, im Gegensatz zu den 70er und 80er Jahren, als die Leute der Stadt entflohen sind. Das muss man akzeptieren und als Chance sehen.»
(Mike Guyer, Architekt und Jurymitglied Maaglive)

Im Jahr 2040 könnten in der Stadt Zürich rund 520’000 Menschen leben. Dies entspricht einem Bevölkerungszuwachs von rund 25 Prozent. Ein solches Wachstum ist ohne klare Strategie, ohne städtebaulichen Richtplan nicht zu bewältigen. Im kommunalen Richtplan 2040 der Stadt Zürich spielen zwei Begriffe eine wichtige Rolle: Verdichtung und Freiraum. Was widersprüchlich klingt, geht Hand in Hand. Denn eine Verdichtung ist sozial nur verträglich, wenn Freiräume beibehalten oder – im besten Falle – erweitert werden. Doch wieso verdichten? Weil die Bevölkerung wächst und das Bauland knapp ist. Wachstum nach Innen ist also die Devise in der Raumplanung. Locker bebaute Wohngebiete werden zu dichten, urbanen Quartieren. Der Bestand soll ergänzt und nachverdichtet werden – durch Baulückenschliessungen, Aufstockungen und Ersatzneubauten. Und Zürich West steht – zusammen mit Zürich Nord – im Fokus dieser Massnahmen. Denn die beiden Gebiete sind die Schwerpunkte des Wachstums, und es gibt grosses Erneuerungspotenzial im Baubestand.

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Der heutige Lageplan des Maag Areals mit den Maag Hallen.

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Geöffnet, verdichtet, begrünt: Der Lageplan des Maag Areals mit Maaglive.

Über Maaglive

Maaglive ist ein Projekt der Swiss Prime Site auf dem Maag Areal beim Bahnhof Hardbrücke. Es ergänzt die auf dem Areal dominierende Büronutzung mit Wohnungen, Gastronomie, Retail, Kultur und Grünflächen. Neu erstellt werden zwei Gebäude: das Kulturhaus mit unterschiedlichen Publikumsnutzungen sowie ein Wohnturm mit 14 Geschossen. Das bereits bestehende Gebäude K wird freigestellt, saniert und umgenutzt. Ziel ist es, ein vielfältiges und lebendiges Areal zu schaffen. Mit öffentlich zugänglichen Innen- und Aussenräumen, von denen alle profitieren können. Baustart ist voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2024, Bauvollendung und Bezug ab Ende 2026.